HENZE 100 – Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch
Wo bist du denn, und wo bin ich? Henze 100
Ingeborg Bachmann und Max Frisch
Briefwechsel und Bühnenszenen
Der erst vor kurzem erschienene Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch – zwei der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des vorigen Jahrhunderts – ist dabei
Die von Anfang an problematische – manche würden sagen: zum Scheitern verurteilte Liebesbeziehung zwischen dem 1911 geborenen großen Schweizer Romancier und der österreichischen Lyrikerin währte von 1958 bis 1963. Zu erleben, wie Künstler von derartiger Sprachkraft ihre Werbung, Ihre Zuneigung, aber auch ihre Enttäuschung, Verzweiflung und Trennungsabsicht brieflich artikulieren, ist für sich schon ein fesselndes Literaturerlebnis.
Hinzu treten bei dieser Veranstaltung noch einige Bühnenszenen aus Frischs Andorra und seinem Theaterstück Biografie sowie eine dialogische Umsetzung aus Bachmanns einzigem Roman Malina – Szenen, die sich in raffinierter Weise mit der Lebenswirklichkeit dieser beiden Dichter verzahnen, zumal beide ja die Werke ihres jeweiligen Partners gut kannten und mitunter detailliert kritisierten.
Die Klaviermusik des Abends spielt eine zugleich vermittelnde und interpretierende Extrarolle. Die Stücke von Johann Sebastian Bach, Manuel de Falla, Francis Poulenc, Claude Debussy, Luciano Berio, Leonard Bernstein, Emile Blanchet und Gustav Mahler sind mehr oder weniger ausdrücklich als Inspirationshintergrund der Dichter in den Briefen erwähnt. Eine herausragende Bedeutung kommt dabei Hans Werner Henze zu, der eng mit Bachmann befreundet war (eine Zeitlang munkelte man sogar über eine mögliche Heirat der beiden) und von ihr Libretti zu seinen frühen Opern erhielt. Von Henze erklingen Lucy Escott Variations, eine Art Undine-Stoff nach einem Opernthema von Bellini, ein Klavierwerk, das in enger zeitlicher und inhaltlicher Verflechtung zu Bachmanns Erzählung Undine geht gehört werden darf.
Schauspieler bzw. Rezitatoren dieser ungewöhnlichen und in ihrer Art einmaligen Veranstaltung sind die Dortmunder Monika Bujinski und Michael Kamp. In einer Nebenrolle ist Andrea Knefelkamp-West zu erleben, die auch die szenische Beratung übernommen hat.
Die Konzertpianistin Jay J. Wang interpretiert die Klavierwerke.